Konrad Grossmann – Langsame Paartherapie

Konrad Grossmann

Langsame Paartherapie 3./4.Februar 2023

Paartherapie hat die Linderung oder Auflösung partnerschaftlichen Unglücks zum Gegenstand.

Zentrale Wirkfaktoren sind hierbei unter anderem die Qualität der in Therapiegesprächen realisierten Beziehung der Partner sowie die Langsamkeit und Strukturiertheit des Therapieprozesses.

Langsame Paartherapie bedient sich sowohl des Multilogs wie auch der „Einzeltherapie in Gegenwart des Partners“. Neben Interventionen, die auf eine Veränderung der Kommunikation von Partnern im „Hier und Jetzt“ ihres Dialogs abzielen, stellen visualisierende und externalisierende Praktiken sowie das „Interview mit dem internalisierten Partner“ wichtige interventive Medien dar.

In Anlehnung an eine Textzeile aus Lennons und McCartneys Hey Judetake a sad song and make it better – lässt sich Paartherapie als Versuch der Linderung oder Auflösung partnerschaftlichen Unglücks verstehen. Zentrale Wirkfaktoren sind hierbei unter anderem die Qualität der in Therapiegesprächen realisierten Beziehung der Partner sowie des Therapiesystems insgesamt und die Strukturiertheit und Zielorientiertheit des Therapievorgangs.

Im Seminar werden ein dreiphasiges Modell des Therapieprozesses sowie ein mehrstufiges Modell von Erst- und Folgegesprächen vorgestellt, innerhalb derer die Fokussierung auf selbstbezügliche Veränderungsziele der Partner eine zentrale Stellung einnimmt.

Langsame systemische Paartherapie bedient sich sowohl des Multilogs wie auch der Einzeltherapie in Gegenwart des Partners (Hinsch u. Steiner 199). Im Multilog mit Paaren nimmt das Fördern öffnender Kommunikation und das Unterbrechen schließender Kommunikation (Sheehan, 1997) eine zentrale Stellung ein. Hierfür eignen sich sowohl sog. implizite Vorgehensweisen – Reformulierungen und mikrosprachliche Interventionen, das Umformulieren von Klagen in Wünsche und Sehnsüchte, die Hervorhebung von Verbundenheit und Analogie – wie explizite Vorgehensweisen respektvoller Konfrontation, des Schließens metakommunikativer Vereinbarungen und die Anregung von Metakommunikation. Einzeltherapie in Gegenwart des Partners als alternative Form der Gestaltung des Therapiegesprächs unterbricht in vielen Fällen dominante Interaktionsmuster: Ein Partner kann über sein Erleben, seine Wahrnehmung und Bedeutungsgebung sprechen, ohne Erzähltes rechtfertigen oder verteidigen zu müssen; dies ermöglicht ihm die Erfahrung, vom anderen gehört zu werden. Zugleich bahnt dieses Zuhören im guten Fall ein alternatives Interaktionsverhalten beim zuhörenden Partner: Es bahnt Aufmerksamkeit, Geduld, Verstehen und Empathie.

Als Grundlage der inhaltlichen Modellbildung rund um partnerschaftliches Unglück fungieren einerseits Schiepeks Modell der Potenziallandschaft (2013), andererseits Scheinkman und Fishbanes Modell des Vulnerabilitätskreislaufs (2006). Beide eröffnen PaartherapeutInnen spezifische Ansatzpunkte und Möglichkeiten interventiven Handelns, die im Rahmen des Seminars vorgestellt werden.

Hierzu zählen unter anderem

  • das Externalisieren von Problem-aufrechterhaltenden Mustern
  • das Visualisieren dysfunktionaler Interaktionsabläufen
  • gemeinsame Zeitlinienarbeit
  • Interventionen des Re-Membering (White, 2005)
  • der tree of life (Denborough, 2008)
  • das Visualisieren oder Symbolisieren von Affektlandschaften
  • das Gespräch mit dem verinnerlichten Partner/ das Erneuern der Partnerlandkarte (Tomm, 1998; Gottman, 2014).

Zur Person:

Konrad Grossmann

Konrad Peter Grossmann, Univ. Doz. Dr., Mitarbeiter der Ambulanten Systemischen Therapie (AST)/Wien; Lehrtherapeut (lasf Wien), Schriftsteller, Lehrtätigkeit an der Universität Klagenfurt und der FH für soziale Arbeit/Linz; Publikationen zu den Themen Paar-, Familien- und Einzeltherapie, narrative Therapie, Wirksamkeitsforschung, langsame Therapie, Therapie mit Männern